Hamburg, 02.04.2009: Würden sie einen Ford GT40, selbst wenn es sich um eine Replika handelt, mit Südafrika in Verbindung bringen? Ok, vielleicht sind die flachen Ford-Flundern auch hier schon mal über die Rennstrecken gedonnert, aber eine Produktionsstätte von GT40-Repliken? Wieder was gelernt. Denn eine der besten Nachbauten des legendären LeMans-Siegers aus den späten 60ern kommt aus Kappstadt.
Cape Advanced Vehicles (CAV) beschäftigt etwa 22 Mitarbeiter und produziert in den kleinen, sauberen Werkshallen zwischen 30 und 40 Fahrzeuge jährlich. Für einen dieser Flachmänner benötigt CAV ungefähr 600 Arbeitsstunden, was den hohen Qualitätsstandard unterstreicht. Ein generelles Problem der Original-GT40 ist der Rost. Weshalb CAV das Monocoque aus rostfreiem Edelstahl fertigt. Saubere Verarbeitung und ausgesuchte Materialien sind selbstverständlich. Bei den Teppichen zum Beispiel, benutzt man die gleichen Stoffe wie Jaguar.
Viel interessanter ist, wie sich so ein GT40 fährt. Immerhin handelt es sich um eine Legende – wenn auch nur um eine nachgebaute. Ein bisschen Ehrfurcht kommt trotzdem auf. Gleich beim Einsteigen zeigt sich, dass dieses Gefährt eigentlich ein Rennwagen ist. Etwas Gymnastik vorher schadet also nicht. Einmal in den ausgeformten Sitzen angekommen, fühlt man sich gut eingebettet. Nur die extrem tiefe Sitzposition ist gewöhnungsbedürftig. Ein Lamborghini ist nichts dagegen. Kupplung treten und anlassen. Schon macht sich das zweite Extrem bemerkbar. Die Kupplung des aufpreispflichtigen Fünf-Gang-Getriebes von ZF ist dermaßen schwer zu betätigen, dass man schon richtig Schmackes in den Beinen haben muss. Spaß macht das nicht. Angenehmer ist das Basis-Sechs-Gang-Getriebe von Audi. Der 5,7 Liter große V8-Motor mit seinen 450 PS erwacht. Wow dieser Sound… Da dies ein recht neuer Wagen ist, müssen wir mit den Drehzahlen etwas bescheidener sein. Ist nicht schlimm, denn schon unten raus geht die Flunder richtig ordentlich. Von Null auf Hundert soll der Wagen je nach Getriebe, Übersetzung und Motorvariante in 4,5 - 5,0 Sekunden beschleunigen. Topspeed ist bei etwa 260 km/h erreicht. Trotz des geringen Gewichts von 1.100 - 1.200 Kilo liegen die Fahrleistungen nur knapp unterhalb eines Porsche 911 GT3.
Dank einstellbarem Fahrwerk findet jeder sein optimales Setup. Der tiefe Schwerpunkt und die breiten 15-Zöller (Oldschool) in den Größen 215/60 vorne und 295/50 hinten sorgen für zackige Kurvengeschwindigkeiten. Auf Wunsch gibt’s auch 17 Zöller in 225/45 v. und 305/40 h. Für gute Verzögerung beißt die vier-Kolben Bremsanlage mit 300mm-Scheiben vorne und hinten kräftig zu. Trotz Klimaanlage kommen wir langsam ins Schwitzen. Der von der Firma Roush (Indy-Szene) präparierte Motor sitzt direkt im Rücken und schreit uns ins Ohr. Zu viel Anstrengung finden die Triebwerke nach alter Bauweise aber nicht so witzig. Man muss auch nicht ständig heizen um mit diesem Auto Spaß zu haben. Einfach Flair und Sound genießen. Übrigens fährt sich der CAV GT40 recht komfortabel. Unebenheiten werden klaglos ausgebügelt. Dank guter Verarbeitung gibt es auch keine Knarzgeräusche zu hören.
Preislich liegt der CAV GT40 je nach Ausstattung zwischen 120.000 und 130.000 Euro. Wählbar sind neun Farben. Darunter auch die auffällige GULF-Lackierung. In Deutschland gibt es derzeit vier Händler für die CAV-Repliken. Einer davon ist Rene Voss – Inhaber von Karosserie-Design Voss in Dietzenbach bei Frankfurt/Main. Seine Firma beschäftigt sich zwar hautsächlich mit dem Aufbau und der Restaurierung von Oldtimern, doch schon seit 2007 importiert Rene die Kult-Boliden aus Afrika. Aber das war dem fröhlich, gelassenen Hessen nicht genug. Schon wenig später entschied er sich, auch die GT40-Replikas der Marke CCV (Cape Cobra Vehicles) ins Programm mit aufzunehmen. Und jetzt raten Sie mal wo die herkommen. Johannisburg in Südafrika. Da muss wohl ein Nest sein.
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