Hamburg, 05.01.2009: Der Jaguar XF war eine Revolution. Die Tradition wurde über Bord geworfen und die Briten wagten sich zu neuen Ufern. Eine scharf gezeichnete Karosserie, deren sportliche Eleganz kein vorheriges Modell je erreicht hat und ein kühl gestalteter Innenraum mit Touchscreen-Monitor, versenktem Wählhebel und Alu statt Wurzelholz.
Ein rundum modernes Auto – bis auf die Motoren. Der Dreiliter-V6 ist angesichts der gebotenen Leistung und seinem Verbrauch kaum mehr als ein Scherz, der 4,2-Liter-V8 verwöhnt zwar mit einer sonoren Stimme, aber auch er zählt nicht mehr zu den jüngsten Zeitgenossen und der 2,7-Liter-V6-Diesel war nicht nur der einzige Selbstzünder im Programm, das 204-PS-Aggregat tat sogar schon im Vorgänger S-Type seinen Dienst. Doch der Fortschritt kommt. Spät zwar, dafür aber gewaltig: 275 PS und 600 Newtonmeter. Kein anderer Hersteller bietet in der Dreiliter-Liter-Sechs-Zylinderklasse derzeit mehr.
Die Briten haben dafür tief in die Trickkiste gegriffen. Der Motor besteht wie der alte 2,7-Liter aus Aluminium-Zylinderköpfen und einem Gusseisenblock, der mit Vermikulargraphit verstärkt ist. Dieses Material ist nicht nur besonders robust, es bietet auch deutlich bessere Geräuschdämpfungseigenschaften als Aluminium. Jaguar spricht vom ruhigsten Selbstzünder überhaupt. Doch allein mit Geräuschen lässt sich das Rennen um die deutschen Besserverdiener nicht gewinnen, also stellte man die Kraftstoffeinspritzung auf die aktuelle Common-Rail Generation mit Piezo-Injektoren und 2000bar Einspritzdruck um und die Zylinderfüllung besorgen gleich zwei Turbolader.
Jaguar lässt die beiden Lader sequentiell laufen, ähnlich der Registeraufladung bei BMW. Ein Lader ist für das schnelle Ansprechen aus dem Drehzahlkeller, der andere kümmert sich um den großen Massenstrom bei Nenndrehzahl. Das Ergebnis sind 6,4 Sekunden von Null auf 100km/h und natürlich eine abgeregelte Spitzengeschwindigkeit von 250 km/h bei einem Verbrauch von 6,8 Litern Diesel auf 100 km. Kombiniert ist das britische Kraftwerk mit einer überarbeiteten Sechsgangautomatik von ZF, was höchsten Antriebskomfort sicherstellen dürfte.
Ab April kann man den XF Diesel S beim Händler kaufen, zu Preisen ab 54.500 Euro. Wem das zuviel ist, der kann den zweiten neuen Diesel im Programm wählen. Mit 240 PS und 500 Nm leistet er etwas weniger als der große „S“, verbraucht aber genauso viel und fährt nur 240 km/h Spitze. Sein Preis liegt dafür aber auch 3300 Euro niedriger. Für diesen Aufpreis kann man sich dann vielleicht die besonders luxuriöse Portfolio-Ausstattung gönnen, die die Briten im Januar auf der NAIAS in Detroit vorstellen werden.
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