Hamburg, 28.10.2005: Die technischen Eckdaten erwecken Neugierde: 3,2-Liter Sechszylinder mit 250 PS, permanenter Allradantrieb "4motion", 20 Millimeter tiefergelegtes Sportfahrwerk, 18 Zoll Leichtmetallfelgen und ein Spitzentempo von 250 km/h. Mit dem neuen Golf R32 bietet VW einen sportlichen wie auch kultivierten Sechszylinder-Golf an, der weniger durch aufdringliche Optik als durch technisch anspruchsvolle Mechanik unter dem vertrauten Blechkleid überzeugen soll. Allerdings hat dieses Kraftpaket aus Wolfsburg seinen Preis: Unter 32.200 Euro gibt es den exklusiven Golf nicht.
Neben dem beliebten Golf GTI hat auch der mit einer Spitzenmotorisierung ausgerüstete Golf Tradition - wenn sie auch nicht bis ins Jahr 1976 zurückgeht. VW stellte 1988 den Rallye-Golf G60 (160 PS) vor, der noch mit einer auffälligen Karosserieverbereiterung die Herzen sportlichorientierten Golfer höher schlagen ließ. 1991 folgt dann der unauffälligere Golf VR6 (2,8-Liter Sechszylinder mit 174 PS) und 1999 kam sein Nachfolger der allradangetriebene Golf V6 4motion (204 PS) auf den Markt. Im August 2002 ging dann der erste Golf R32 an den Start, der einer neuen sportlichen Baureihe - neben dem GTI - den Weg frei machte. Fast am Ende des Golf IV Produktionszyklus wurde der "R32" aufgelegt, der sich einer solch großen Beliebtheit erfreute, dass sich die VW-Modellstrategen beim neuen Golf gleich zu einem Nachfolger entschlossen hatte. VW plante beim ersten R32 ein Volumen von rund 5000 Einheiten ein - viel zu wenig: Es wurden über 14.000 Golf R32. Beim neuen R32, der jetzt bei den Händlern steht, gibt sich VW weitaus zurückhaltender. Ein Absatzplan wird nicht verkündet: Nur soviel, der R32 wird ganz normal ins Golf Verkaufsprogramm aufgenommen und wird außer auf dem US-Markt weltweit angeboten.
Wer den neuen Golf R32 in Deutschland kaufen möchte, der muss erst einmal mindestens 32 200 Euro investieren - viel Geld für einen Golf, mag man denken. Doch bietet kein anderes Golf-Modell diesen souveränen Fahrspaß wie der R32. Ihn mit dem Golf GTI zu vergleichen, wäre Äpfel mit Birnen zu verwechseln. Schließlich ist ein Sechszylinder ein Sechszylinder und wenn dieses Triebwerk aus 3,2-Liter Hubraum 250 PS entwickelt und dann in einen Golf eingebaut ist, heißt dies Kraft ohne Ende. Jedenfalls ist die Höchstgeschwindigkeit bei 250 km/h (nicht abgeriegelt) erreicht, geht es auf der Autobahn auch einmal bergab können es leicht 270 km/h werden. Die Skala des Tachometers hat mit der Ziffer 300 schon einmal vorgesorgt.
Der Sechszylinder-Golf mit permanente Allradantrieb "4motion" sorgt im Einklang mit dem aufpreispflichtigen Doppelkupplungsgetriebe (DSG) für ein außerordentliches Fahrerlebnis. Die 1450 Euro für das hervorragende DSG-Getriebe sollte man unbedingt einkalkulieren. Weniger sinnvoll erschienen uns die im Testwagen montierten Schalensitze (1150 Euro), die die Alltagstauglichkeit insbesondere beim Zweitürer einschränken. Und der Golf R32 ist alles andere als ein Renn-Tourenwagen. Denn der R32 bietet einen Fahrkomfort, der kein übertrieben hart abgestimmtes Fahrwerk voraussetzt und präsentiert sich mit einem V6, der zwar sportlich, aber keinesfalls unkultiviert arbeitet. Würden nicht die beiden auffälligen Auspuffendrohre aus Heck ragen, wäre es ein Golf mit großem Unterstatement. Einzig die 18 Zoll-Leichtmetallfelgen, die blau lackierten Bremssättel und der spezielle Lamellen-Kühlergrill in Alu-Optik machen den gewissen Unterschied zum Golf GTI. (ar/pha)
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