Hamburg, 04.08.2008: Mercedes SLK 55 AMG (360 PS, 69.050 Euro) – muss Platz machen! BMW M5 (507 PS, 92.500 Euro) – muss Platz machen! – Audi RS6 (580 PS, 106.900 Euro) – muss auch Platz machen! Wenn ich mit dem neuesten Spielzeug aus der EVOCARS-Garage angeflogen komme, müssen so ziemlich alle anderen den Blinker rechts setzten und mich ziehen lassen. Die meisten tun das ohne Zögern oder Gram. Kein Wunder, ist die Bi-Xenon-Optik in Kombination mit der ultra-flachen Cayman-Nase doch ein untrügliches Zeichen für Geschwindigkeiten jenseits der beschnittenen 250er-Grenze. Ein Porsche darf das! Es ist traumhaft. Ich sitze mit dem Hintern nur wenige Zentimeter über dem Asphalt, LKW-Reifen erheben sich wie Gebirgsmassive und bei jedem Beschleunigungsvorgang bellt der sensationelle Sportauspuff (1645 Euro) mit steuerbarer Drosselklappe seinen Boxer-Sound in die Umwelt – fantastisch! Doch ich fahre nicht zu bloßem Spaß an der Freud über bundesdeutsche Autobahnen (auch wenn das durchaus verständlich wäre). Nein, Kollege Tim und ich sind auf dem Weg zum Spreewaldring vor den Toren Berlins. Hier, auf dem 2,7 Kilometer langen Rundkurs (15 min kosten 15 Euro), wollen wir beim 295 PS starken Mittelmotor-Sportler mal ans Limit gehen. Unsere Punktekonten in Flensburg sind randvoll und vielleicht können wir auf dem abgesperrten Geläuf endlich mal die Grenzen des 911er-Ziehsohns ausloten. Wir sind gespannt. ...
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Der Spreewaldring: Direkt an der A13, gegenüber des Spreewaldring Kart-Centers befindet sich ein ca. 2,7 Km langer Strassenrundkurs, der für jeden sportlich ambitionierten Fahrer realistische Trainingsbedingungen abseits der öffentlichen Strassen für Auto und Motorrad bietet. Freies Fahren für jeden (Motorrad nur mit unserer STC-Freifahrlizenz), zur Verbesserung der eigenen Fähigkeiten - auch in Ergänzung der Fahrausbildung - oder zum Ausloten der Grenzbereiche von Auto und Fahrer.
Am Ring angekommen, melden wir uns kurz beim Betreiber der privaten Rennstrecke und lassen uns dann nur zu gerne in seinem E36 M3 („Naja, Original ist der nicht mehr“) zum besseren Kennenlernen über die 2,7 Kilometer kutschieren. Markierungen am Streckenrand geben Hinweise auf Brems-, Einlenk- und Beschleunigungspunkte und dürften für die ersten eigenen Runden überaus hilfreich sein. In Gedanken durcheilen Tim und ich schon die Sechsgangbox des Cayman und nehmen uns vor, schon bald Bestzeiten auf den Spreewaldring zu stanzen.
Nach der Einführung geht’s auf die Strecke. Tim macht den Anfang, ich beobachte seine einsamen Runden von der Boxengasse aus. Wir sind das einzige Auto an diesem Vormittag, die etwa ein Dutzend Motorradfahrer, die ebenfalls angereist sind, müssen warten. Es herrscht strickte Trennung zwischen Zwei- und Vierrädern. Runde um Runde wird Tim schneller, tastet sich an die Ideallinie heran und kommt nach zehn Minuten überglücklich an die Box. Sein Grinsen sehe ich bis hier. „Die Strecke ist spitze. Genau das Richtige für den Cayman. Wenn du das PSM anlässt, hast du echt keine Sorgen. Das Ding fährt sich absolut narrensicher. Und die Sportsitze (2523 Euro): weltklasse! Die passen selbst mir (1,96 Meter) wie angegossen.“
Jetzt dürfen die Motorräder auf die Strecke, wir machen Pause und schleichen zum x-ten Mal um unseren Probanden. „Wenn man bedenkt, wie viele Porsche in Hamburg rumfahren, ist es fast schon ein Wunder, dass sich nach dem Ding überhaupt einer umdreht. Aber der Flügel bringt’s. Ok, der TOMAHAWK von Marc macht noch mehr die Welle, aber ….“ Ich muss Tim ins Wort fallen: „Hallo, der TOMAHWAK ist ein oliv-grüner GT2 mit FIA-GT-Flügel. Mehr Krawall geht nicht. Unser kleiner Weißer hier ist aber im Serientrimm“ – wenn man die 4165 Euro teure OP für’s Porsche-Aerokit (Heckflügel, modifizierte Frontschürze) zum Serienoutfit zählt. Und dazu raten wir. „Also ich würd sagen, rein optisch läuft der Kleine hier dem Serien-911er den Rang ab. Mit dem Aerokit erinnert mich der Wagen an den GT3. Jetzt noch nen Cayman-Schriftzug (535 Euro) auf die Seite und das Outfit ist perfekt. So würd ich ihn kaufen.“
Die Motorräder haben genug gespielt und verlassen das Geläuf. Mein Turn! Ich lasse mir von Tim noch mal die Bedienung der Stoppuhr erklären (Sport Chrono Paket Plus: 797 Euro) und rolle dann zum Start. Die ersten zwei Runden lasse ich es ruhig angehen, danach gebe ich dem 3,4-Liter-Boxer in meinem Rücken die Sporen. Die Drehzahl bleibt jetzt immer oberhalb von 4500 Umdrehungen (Schluss ist bei über 7000), die Gänge klacken dank der Schaltwegverkürzung (571 Euro) noch schneller und exakt ein und mit der ultrapräzisen Lenkung lassen sich die Kurven nahezu perfekt Durchzirkeln (das Lenkrad könnte allerdings etwas dicker sein). Das optionale PASM-Fahrwerk (1547 Euro) mit elektronisch verstellbaren Dämpfern steuert seinen Teil zum reinsten Rennerlebnis bei, und dank des PSM kommt der Hintern immer nur ein kleines Stückchen rum. Es verwundet nicht wirklich, dass ich als Strecken-Neuling trotzdem ein spitzenmäßige 1:38er Zeit hinlege. Also mal ehrlich: Montag bis Freitag mit dem Wagen zur Arbeit juckeln und am Wochenende auf der Strecke nach Bestzeiten jagen klappt mit dem Cayman S so gut wie mit keinem Testwagen zuvor. Selbst das Kofferraumvolumen spielt mit, bietet stolze 410 Liter (160 vorn, 250 hinten) und erlaubt damit auch einen kleinen Wochenendtripp zur Nordschleife. Zum Vergleich: der Astra OPC verkraftet nur 340 Liter.
Der Tag neigt sich dem Ende, wir machen uns auf den Heimweg. Rund 350 Kilometer liegen vor uns und das heißt im Klartext: Inklusive der Runden-Hatzen werden wir heute mal eben 120 Liter SuperPlus durchspülen. Und jetzt kommt’s: Das war’s wert. Selbst die gemächliche Heimtour (160 Tempomat) macht Laune. Jeder weiß ob der Power des Cayman und so ernten wir wohlwollendes Nicken und tatsächlich einiges Handy-Geknipse. Geht’s ans Überholen, oder nähert sich ein Tunnel, ist es aber vorbei mit der Ruhe. Automatisch wandert die Hand zum „Sport-Taster“, öffnen sich daraufhin die Drosselklappen und steigt der Adrenalin-Spiegel – auch bei läppischen 160 Sachen. Es faucht und dröhnt, die Härchen stellen sich auf und die Spritpreise sind uns egal.
Wir fassen zusammen: Statt der mindestens 60.303 Euro, die für einen Cayman S fällig werden, bringt es unser Exemplar auf über 87.000 Trommelstücke – das ist hart. Doch es geht auch „einfacher“. Aerokit, Bi-Xenon, Sportauspuff, Schaltwegverkürzung, PASM und Sport Chrono Plus Paket sind ein „Must Have“, alles andere ist schön, aber nicht zwingend notwendig. Würden wir uns einen Cayman S zusammenstellen, lägen wir also bei rund 70.000 Euro. Dafür bekommt man einen reinrassigen Sportwagen, der sich nicht hinter seinem großen Bruder (ab 83.000 Euro) verstecken muss, und die Emporkömmlinge BMW 135i (39.00 Euro) und Nissan 350Z (38.000 Euro) sehr gut auf Distanz halten kann. Und schließlich gibt es ja gebrauchte Cayman S schon ab 55.000 Euro (mit PASM, Xenon, Sport Chrono Plus etc.).
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Technische Daten:
Leistungsgewicht: Literleistung:
4,58 kg / PS 86,76 PS / Liter
Motor:
Sechszylinder-Boxermotor
Lage:
Mitte längs
Hubraum:
3.387 ccm
PS bei U/min:
295 / 6.250
Nm bei U/min:
340 / 4.400 bis 6.000
0-100 km/h:
5,4 sek
Topspeed:
275 km/h
Antrieb:
Heck
Bremsen:
vorn: Scheibenbremsen, gelocht, innenbelüftet, 318 x 28 mm, Festsättel hinten: Scheibenbremsen, gelocht, innenbelüftet, 299 x 24 mm, Festsättel
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Sport Chrono Paket Plus (797 Euro): Bestehend aus analoger und digitaler Stoppuhr, Sporttaste in der Mittelkonsole mit Einfluss auf Gaspedalkennlinie, PSM sowie PASM (optional) und Tiptronic S (optional). Außerdem: Performance-Anzeige im PCM (Porsche Communication Management) sowie individuellem Memory für Licht-, Wischer- und Türverriegelungseinstellungen sowie Klimaautomatik (optional).