Driven: BMW 125i Cabrio



Hamburg, 27.02.2008: Seien wir doch mal ehrlich, kompakte Cabrios sind stinklangweilig geworden. Das zu erklären ist relativ leicht. Biedere kompakte Frontkratzer mit relativ wenig Leistung werden lustlos am Dach rasiert und das nennt dann ein Cabrio. Doch damit nicht genug. Da wäre dann noch der Trend des Stoffweglassens. Ersetzt wird dieser durch die ach so tollen Klappdächer die dann in einem viel zu hässlichen Heck verschwinden. Zusätzlich darf der Motor dann noch mal richtig ranklotzen weil diese dreiste Hässlichkeit auch noch ein Vielfaches an Gewicht für sich beansprucht. Dynamisches Fahren ist was anderes.

Zum Glück gab es ein paar kreative Köpfe in Bayern die sich wohl genau dasselbe dachten und der alten Kompaktcabriogarde erstmal das neue BMW 1er Cabrio vor die Nase setzten. Rumms!

Heckantrieb! Rumms!
Bis zu 306 PS ! Rumms!
Stoffverdeck! Doppelrumms!

Allein durch diese Daten hat BMW es geschafft der neuen Konkurrenz erstmal kräftig eins vor die Nase zu hauen.

Im sonnigen Valencia wurde uns das neue BMW 1er Cabrio vorgestellt. Der perfekte Ort, um einer langen und ausgiebigen „Oben Ohne“ Tour zu frönen. Das Design des Probanden wirkt sehr stimmig. Harmonische aber dennoch kräftig erscheinende Linienführungen geben dem Viersitzer ein stimmiges Erscheinungsbild. Die niedrig angesetzte Gürtellinie und die relativ nah angesetzte Frontscheibe lassen intensive Cabriogefühle hochkommen. Modern und doch klassisch. So hat ein echtes BMW Cabriolet auszusehen. Und nicht nur das.

Für viele BMW Fans ist das 1er Cabriolet mit seinen 4,36 Meter der einzig legitime Nachfolger der alten E30 (4,33 Meter). Besonders nachdem sich der aktuelle 3er mit Klappdach präsentiert, was einigen Fans doch ein großes Runzeln auf die Stirn gezaubert hat, ist das 1er Cabrio eine ernstzunehmende Alternative geworden. Bleibt zu hoffen das BMW sich da mal nicht verrechnet hat und sich selbst die Kunden abwirbt.

Einmal reingesetzt ist das altbekannte Cockpit der derzeitigen BMW Flotte eindeutig wieder zu erkennen. Auf neue Spielereien wurde bewusst verzichtet. Das macht es dem Fahrer leichter, sich auf die wirklich interessanten Dinge zu konzentrieren. Per Start Knopf meldet sich der Reihen Sechszylinder des 125i mit einem leichten Grummeln zu Wort. Mit einem summend sonoren Ton setzen sich die 218 Pferde in Richtung der langen Gebirgskette in Bewegung. Was uns erwartet? Kurven, Kurven und nochmals Kurven. Prachtvoller kann man die Freude am Fahren nicht präsentieren.

Um die Landschaft in der vollen Pracht zu genießen, schalten wir auf den Panorama Knopf. Schwupp, schon öffnet sich bei Tempo 40 das Verdeck und lässt während des Vorgangs sogar eine Beschleunigung auf 50 zu. Das beim Öffnen und Schließen des Verdecks annähernd Stadttempo gefahren werden kann lässt auch die 22 Sekunden Wartezeit verschmerzen. Kaum hat sich das Verdeck, das im Jeansstyle daherkommt, im Heck zusammengefaltet bekommen wir die spanischen Winde um uns herum zu spüren. Cabrio-Feeling pur. Für die Gattung der Warmduscher und Weicheier gibt es das Windschott damit die Föhnfrisur nicht gleich komplett baden geht.

Kaum angekommen in den Bergen lassen wir auch mal so richtig die Fetzen fliegen. Ob enge Haarnadelkurven oder schnelle links rechts Passagen, alles wird souverän gemeistert. Cabriotypisch mit nach unten verlagertem Schwerpunkt lässt sich das Bayer spürbar einfach um die Kurven pilotieren. Das Sechs-Gang-Getriebe ist exzellent mit dem Motor abgestimmt. Besonders interessant wird es mit eingeschaltetem DTC: eine Art Idiotendrift Modus.

Die Elektronik erlaubt in dieser Stufe mehr Freiheiten und lässt auch leichte Kurvendrifts zu. Wird es doch zu brenzlig greift sie behutsam ein und bringt den Fahrer sicher weiter. Echte Kerle die es richtig rustikal mögen verzichten auf die Idiotenhilfe und deaktivieren das gesamte DSC per Spezialknopfdruck

Den Sounddesignern von BMW darf ebenfalls gratuliert werden. Der Sechszylinder brummt und summt herrlich vor sich hin. Besonders wenn das Cabrio sich zwischen den engen Straßen in den Dörfern tummelt und das untertourige Grummeln zum Fahrer halt, ist das ein Erlebnis sondergleichen. Damit erübrigt sich im Sommer fast die grandiose Soundanlage mit integrierter I-Pod Unterstützung.

Auf Hochgeschwindigkeitspassagen wie der Autobahn offenbart das Fahrwerk kleine Schwächen. Bei leichten Bodenunebenheiten sackt es gerne mal ein. Dagegen hilft das M-Fahrwerk, das im 135er Cabrio serienmäßig verbaut wird.

Fazit: BMW, thats it. Endlich wurde wieder ein echtes Cabrio nach altem Schrot und Korn gebaut. Vier Sitze, Sechszylinder, Heckantrieb, Stoffverdeck; so muss ein Cabrio aussehen. Und auch die enttäuschten Fans des aktuellen 3er Cabriolets werden BMW diesen Lifestyle Ausrutscher verziehen haben, denn das ist der offizielle Nachfolger der alten 3er Oben-Ohne-Vehikels.

Agilität, klassische Formen, ein grandioses Sounderlebnis und nicht zuletzt ein großer Kofferraum lassen das 1er Cabriolet im Kompakt Segment sofort von Null auf Eins schießen. Besser kann es zurzeit keiner. Chapeau BMW, so soll das sein.


Text + Fotos: Mario-Roman

 

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